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Tag 17

Ich bin die schlechteste Konsumverzichterin auf der ganzen weiten Welt.
Erste Konsumsünde: Männerklamotten von Zara. Ich hatte einen schlechten Tag und habe mich unheimlich unwohl in meinen Frauenklamotten gefühlt und mit so viel kokettierender und aufgesetzter Weiblichkeit, wie ich meine Gaderobe sonst so mag. Ich hatte einen Konflikt mit einem Gremium und musste gegen dreizehn Personen reden, meiner Wut Ausdruck verleihen und klar machen, dass ich in dieser Frage keine Kompromisse mache, auch wenn mir das keine Sympathien einheimst. Meine normale Genderperformance beinhaltet sehr viel Showweiblichkeit und damit verbunden sind für mich Eigenschaften wie Kompromissbereitschaft, radikale Selbstkritik, und vielviel Verständnis. Vom Prinzip her auch gute Eigenschaften, auf die ich auch weiter immer hinarbeiten möchte aber in dieser konkreten Situation nicht hilfreich. Thema war ein Gewaltdelikt und mir war klar, hier werde ich keine Kompromisse machen, keinen Milimeter weichen und das auch durch dominantes Redeverhalten ausdrücken würde. Auch wollte ich nicht wieder stundenlang darüber nachdenken, wie andere Personen das jetzt wohl finden. Also wollte ich ein Bisschen in Drag-Schale schmeißen, in der ich mich mit diesen Eigenschaften wohler fühle. Also habe ich eine Männer-Röhrenjeans gekauft, einen wunderschönen grünen Männerpulli, meine Boobs getaped und mich wohl gefühlt.
Im Bus ein wenig gemanspreaded (breitbeinig viel Raum in Anspruch genommen) und mich in der Sitzung mein Drag-Ich gelebt. Don't smile, don't apologize and you own that shit! Das hat zumindest für mein Feeling gut funktioniert.Ein einfacher Trick um meine immer-ja-sagen-immer-darum-besorgt-sein-was-andere-denken-weibliche-Sozialisation zu umgehen, wenn ich sie nicht brauchen kann.
Kostenpunkt 35€ an Zara mit grottigen Arbeitsbedingungen für Näherinnen und so weiter. Zum kotzen. Was bin ich nur für eine furchtbare Person.
Nächster Punkt: Gestern hat eine Person, die weggeht ihren Abschied gefeiert, ich habe zwei Erzquell für mich gekauft und vier ausgegeben. Kostenpunkt 9€. Dann habe ich betrunken Pizza gekauft, Kostenpunkt 11€, vier euro Trinkgeld.
Das Alkohol kaufen und Gtränke ausgeben war ok, schließlich war das ja von Anfang an unter den potentiellen Ausnahmen. Pizza kaufen nicht, schließlich ist da zu allem Überfluss auch noch Käse aus der Massentierhaltung drauf. Bah! Außerdem zahlt Gastro schlecht. Und dass die armen Personen mitten in der Nacht Pizza verkaufen (drei Uhr) spricht auch nicht gerade für die Arbeitsbedingungen.
Außerdem habe ich zweimal ein Getränk zu mir genommen, als ich mit Freund_inne_n zum Kartenspielen in einer Bar war. Einmal In einer Einzelhandelsbar mit einem potentiellen britischen Nazi als Besitzer und einmal in einer Extrablatt System-Gastro-Franchise-Kette, die eine Freundin die dort gearbeitet hat richtig mies behandelt hat. Kostenpunkt insgesamt sechs bis acht Euro.

17.1.15 11:55


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Herrjemine

Tag drei im Nixkaufland und ich jammere. Darüber, dass es so schwierig ist und ich das Handtuch werfen möchte.

Ausnahmen genereller Art:

Strom, Miete, Wasser. Dass das Ausnahmen sein würden wusste ich ja von anfang an, hatte ich nur vergessen aufzuschreiben.

Gewürze und Speiseöl kommen mir auch nach einer kleinen Recherche sehr schwer zu ersetzen vor und landen vermutlich auf der Ausnahmenliste.

Und das Selbstversorgung vielleicht nichts für gestresste, versnobte Stadtmenschen ist,  scheint sich auch klarer abzuzeichnen. Selbstmachen braucht Zeit und Selbstversorgung braucht große Flächen auf denen man Nahrung sammeln kann, allenfalls einen Garten.

 Grummelgrummel, jammerjammer. Bin heute bei meinen Eltern zu Besuch und esse deren Lebensmittel. Ist vielleicht auch nicht Sinn der Sache aber naja. Habe ich nicht gekauft, hat meine Mama gemacht. Diese vermeintliche nicht-Ausnahme  steht auf dünnem Eis.

Ich habe mir vorgenommen mal zu prüfen, ob es sich ohne Waschmittel (nächstes Problem) waschen lässt oder ob die Klamotten dann stinken.

Für Shampoo und Duschgel habe ich den wagen Plan ausgeheckt meine eigene Lavaerde aus Ton herzustellen, das geht, ist nicht besonders umweltschädigend. Also begebe ich mich auf die Suche nach jemandem, der mir Tonreste schenkt. Dann soll ich das ganze trocknen, mahlen und mit Wasser vermischen. Mal sehen. Ich berichte auf jeden Fall, wenn es so weit ist.

Nochmal zur Erklärung, Lavaerde (von lavare, latein waschen) ist eine Wascherde, die als Shampoo angewendet erst einmassiert werden muss, dann einwirkt, das Fett von der Kopfhaut aufnimmt und dann ausgewaschen wird. Soll auch ganz gut für die Kopfhaut sein was wunderbärchen ist, denn meine Kopfhaut ist ein Schlachtfeld

Am restlichen Körper wird das Zeug zum Waschen so verwendet wie Duschgel.

 Für Spülmittel bin ich auch noch nicht auf den Trichter gekommen, was ich da ersetzen kann, aber erstmal gilt die Devise nichts mit Spüli zu waschen, wo das nicht notwendig ist. Heißt mehr einweichen und so.

Meine Mama will gleich mit mir essen gehen und ich stelle mit Entsetzen fest, dass meinem radikalem Projekt der gesamte Gastrosektor zum Opfer fällt. Mal was trinken gehen, einfach in der Kneipe hängen, feiern gehen, Essen gehen und das großartige siegener NASCHWERK sind Dinge und Orte, die ich wohl nicht mehr so oft machen bzw. frequentieren werde. Kotz.

Wie gesagt, ich habe keine Lust mich mit meinem Projekt ins soziale Aus zu schießen, deshalb werde ich mir für ab und an benötigtes Ausgehen eine Art Ablasshandel ausdenken. In der Vergangenheit war ich immer gerne mal mit Menschen Karten in einer Kneipe spielen und weil ich darauf nicht verzichten will, werde ich vielleicht immer einen Tee trinken, wenn wir das machen. Schließlich möchte ich anderen Menschen wirklich nicht verbieten abends in unseren Lieblingskneipen etwas essen zu gehen und es gibt schließlich in den meisten Lokalen eine Verzehrpflicht. Tee kostet in etwa 2€ und für zwei dreimal im Monat ist diese Ausgabe verkraftbar. Außerdem ist das meistens Einzelhandel und den muss man ja auch fördern. So rede ich mir meine Ausgabe schön.

Feiern gehen. Puuh. Auf der einen Seite gibt es soweit ich weiß keine containerbaren alkoholischen Getränke. Und selbst irgendwas vergären zu lassen halte ich für sagen wir mal einfach keine besonders gute Idee. Bestimmt fange ich mir irgendwelchen Methyalkohol ein und erblinde. Dann also kein Alkohol für mich. Es ist prinzipiell sowieso nicht so, dass ich besonders viel trinke, aber zu manchen Anlässen würde ich doch ungern darauf verzichten auch aus einem sozialen Aspekt heraus. Mir bleibt ein Schlupfloch. Die meisten Parties die ich besuche sind sowieso nicht in Kneipen oder Clubs sondern bei Menschen zu Hause. Und Snacks oder Fingerfood mitzubringen ist eine gute Entschuldigung dafür, sich getränkemäßig durchzuschnorren

Mit diesem Vorhaben im Kopf habe ich immerhin das auf die Liste der Dinge gerettet, die ich noch machen kann.

Clubs im Allgemeinen besuche ich sowieso nicht so super gerne, falls sich da irgendwann was ergibt, was ich nicht vermeiden kann oder möchte werde ich das Thema erneut aufrollen.

Viel schwieriger jedoch sind Konzerte. Meine Rock am Ring Karte für dieses Jahr habe ich schon eine Weile, aber weitere Konzerte dürfen dann wohl nicht dazukommen, schluchz.

Auch die Anreise und die Verpflegung auf einem Festival gestaltet sich ganz schön schwierig. Aber auf Festivals gibt es immerhin inzwischen Foodsharing und darüber sollte eine Menge kein Problem sein. Das kann ich ja aber schließlich auch später noch planen, wer weiß ob ich überhaupt bis dahin durchhalte. Es ist schließlich erst Tag drei und ich bin schon überfordert

Zurück zum Essen gehen gleich. Zunächst: Volxküche kommt auf die Liste der Ausnahmen.

Ist zwar dann auch gekauft aber ja schließlich eine gute Sache. Und jetzt kommt der schwierige Teil: Was ist mit essen gehen? "Einmal im Monat!", möchte ich gerne beschließen, verwerfe das aber gleich wieder, weil ich merke, wie ich ungefähr alles, was ich vorhatte schon ausgehölt habe. Dankenswerterweise darf ich das Problem aufschieben, meine kleine Schwester kommt nicht nach Hause und meine Mama möchte gar nicht mehr essen gehen.

Nächstes Problem: Am  Wochenende kommt eine Couchsurferin zu Besuch. Muss ich für sie Lebensmittel kaufen, die nicht containert sind, für den Fall, dass sie das ablehnt? Ich denke, ich werde sie mal fragen, was sie davon hält. Sonst kann ich vielleicht irgendwie mit Dingen kochen und Dinge als Frühstück herhalten lassen, die ich letztes Jahr gekauft habe, aber das löst das Problem auch nur für jetzt und nicht allgemein. Was setzen andere Selbstversorgende ihren Gästen vor, frage ich mich.

 

Mein heutiges Fazit scheint jedenfalls zu sein: Nichts was man versucht umzustellen fällt vom Himmel, alles kostet Zeit und Mühen, und ohne Abstriche geht es nicht. Wow, das war ja gar nicht vorauszusehen, sage ich dem Jammerlappen in mir.

Gleich treffe ich mich mit einer Freundin zum Kaffeetrinken, zum Glück zu Hause, also brauche ich von meiner neuen: einen-Tee-trink-Regel noch keinen Gebrauch zu machen.

Noch ein kleiner letzter Punkt: Magic-Karten. Ich spiele ganz gerne und mag die Menschen mit denen ich spiele. Und vor ein paar Tagen haben wir einen Draft gespielt. Für die Nichtnerds unter Euch: Da bekommt jede Person ein paar Wundertüten (Booster) mit irgendwelchen Karten darin und denn darf men sich reihum Karten aus den Wundertüten aussuchen. Mit dem so zusammengesammelten Kartendeck wird dann ein Turnier gespielt.

Kostenpunkt für die Wundertüten 10€ alles halbe Jahr.

In jedem Fall ist es kacke, einer Firma so viel Geld für SAMMELKARTEN(!) zu bezahlen, man ist ja auf die eine Firma angewiesen, also bezahlt man eben Monopolpreise und es ist eben nur ein Spielzeug, nichts besonders sinnvolles.  Dennoch fällt es mir sehr schwer mich davon gedanklich zu verabschieden und glaube, dass ich das auch auf meine Ausnahmenliste schreiben will. Wow, ich bin so eine Konsumentin!

Aber schließlich ist bis zum nächsten Draft auch noch einige Zeit hin, das kann ich also nochmal überdenken.

Resigniert und genervt beende ich meinen heutigen Blockeintrag.

 

3.1.15 14:32


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